Königreich Westphalen

Militärgeschichte Westphalens 1806 - 1815

Als der französische Kaiser Napoleon I. 1806 Preußen besiegte, wurde unser Kurhessen ein französisches Gouvernement. Französische Regimenter besetzten Kassel und ein holländisches Korps lagerte vor dem Holländischen Tor. In den Gebieten westlich der Elbe wurden schließlich Truppen zur Unterstützung der Franzosen aufgestellt. So in Münster, Minden, Braunschweig, Erfurt und Fulda das „Regiment Westphalie“ und im Elsass zwei Regimenter des Franko-Hessischen Infanterie-Korps „Hesse-Cassel“. Zwei Jahre später wurde per Erlass das Königreich Westphalen gebildet, dessen Hauptstadt Kassel und dessen Hauptfestung Magdeburg wurde. Als König bestimmte der Kaiser seinen jüngeren Bruder Hieronimus (Jerome). Die polnische Italien-Legion wurde nach Kassel beordert und blieb dort, bis eigene westphälische Truppen aufgebaut waren. Am 01.01.1808 wurde die Verfassung des Königreiches in Kraft gesetzt, womit sie die erste Verfassung auf deutschem Boden war.

Das II. Bataillon des Regimentes Westphalie (Minden) und die bisher aufgestellten Regimenter „de Hesse-Cassel“ wurden im Januar 1808 nach Kassel verlegt um die ersten beiden Regimenter des Königreiches zu bilden. Hinzu kamen polnische Lanzenreiter zur Bildung der königlichen Lanzenreiter und des Garde du Corps. Die westphälische Armee umfasste letztendlich 25.000 Soldaten, die in unterschiedlichen Truppengattungen eingeteilt an allen Kriegshandlungen der nächsten 6 Jahre teilnahmen. Neben den eigenen Truppenteilen standen aber auch französische und holländische Regimenter im Land. Nachweislich in Kassel auch das 3. Bergische Infanterieregiment. Westphälische Divisionen schlugen 1809 in Spanien und in Mitteldeutschland Aufstände nieder. 1812 zogen die westphälischen Truppen als VIII. Armee-Korps der "Grande Armee" mit einem sächsischen und einem polnischen Armee-Korps nach Russland. Aufgrund von Sicherungsmaßnahmen, durch Kämpfe oder Krankheiten, wurde das westphälische Korps immer kleiner, bis es als solches nicht mehr existierte. Nur wenige Soldaten kamen in Moskau an und noch weniger überlebten den Feldzug. Die Tapferkeit der westphälischen, bayerischen und polnischen Truppen trat mehrfach zu Tage und ist uns gut überliefert. Kurs nach dem Untergang der Truppen wurde eine neue westphälische Armee aufgebaut. Insgesamt standen um die 50.000 westphälische Soldaten unter der Führung Napoleons.
Ein Großteil dieser westphälischen Einheiten waren in Kassel stationiert und gaben der Stadt durch Kasernenneubauten ein anderes Gesicht. Hier befanden sich die Artillerieschule und der Pagenhof, die Garderegimenter und ein Teil der Infanterie.

Das „Institut für angewandte Biografie- und Familienforschung Kassel (IBF-Kassel)“ arbeitet an einer Dokumentation zu diesem Thema. Leider ist die Quellenlage recht schwierig und unübersichtlich, weshalb noch viele Informationen hinsichtlich der Geschichte einzelner Truppengattungen fehlen. Falls Sie im Besitz von gedruckten Büchern aus der westfälischen Zeit sind oder Angaben über die einzelnen Truppengattungen und Einheiten machen können, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Aus Anlass der 200-Jahr-Feier der Verfassung des Königreichs Westphalens führt das Institut im Verlauf des Jahres 2008 Rundgänge zur westphälischen Garnison Kassel an. Besucht werden die ehemaligen Standorte der verschiedenen Garde-Kasernen im Kasseler Stadtteil Wesertor. Bitte informieren Sie sich auf der Seite "Leistungen/Rundgänge".

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